Spiel mit dem Feuer
doppel:punkt NEU 2/2011

Spiel mit dem Feuer

von Wolfgang Rath
„Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“ liest man in Firmenfoldern und auf Webseiten. Die Realität sieht manchmal ganz anders aus. Mitarbeiter verabschieden sich innerlich vom Unternehmen, bleiben gesundheitlich auf der Strecke oder brechen unter der Arbeitslast zusammen. Als Unternehmensberater und Coach ist Primawera mit Burnout und seinen vielfältigen Folgen häufig konfrontiert.

Im vergangenen Jahr sind in Österreich die Krankenstandstage erneut gestiegen. Besonders auffällig war die Zunahme an psychischen Erkrankungen wie Depression, Burnout oder Erschöpfungszuständen (Quelle: Hauptverband der Sozialversicherungsträger). Burnout betrifft immer mehr Menschen und damit auch die Unternehmen. Die US-amerikanische Psychologin Dr. Christina Maslach beschäftigt sich seit rund 40 Jahren mit dem Phänomen und hat den Begriff „Burnout“ geprägt. Im vergangenen Mai war Sie als Vortragende beim Kongress „Gut und Böse – Denk- und Handlungsspielräume der Psychologie“ zu Gast in Graz.

Gleich eines vorweg: Ihrer Auffassung nach sei es eine unzulässige Schlussfolgerung, Burnout als Krankheit einer „seelisch anfälligen“ Person zu sehen. Burnout sagt wesentlich mehr über den Arbeitsplatz als über den Arbeitnehmer aus, es sei Ergebnis eines Wechselspiels, wenn Arbeits- und Kulturbedingungen nicht mit der Persönlichkeit und den Werten des Arbeitnehmers zusammenpassen.

Arbeitsüberlastung ist nur einer von insgesamt sechs wesentlichen Faktoren, warum es zum Zusammenbruch kommt. Ein passendes Maß an Kontrolle, positive Anerkennung, Gemeinschaftserlebnis im Arbeitsprozess, Fairness und Wertekonflikte haben sich in ihren Studien ebenso als wichtige Einflussfaktoren herausgestellt.

Sie erzählt aus Ihren Forschungsarbeiten: Wenn einer der sechs Faktoren kritisch ausgeprägt ist und auf eine Person trifft, die damit einen inneren Konflikt hat, dann sei die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie ein Jahr später unter einem Burnout leide. Sie empfiehlt Unternehmen, auf diese Variablen zu achten, schließlich tragen sie auch die Folgekosten für Ineffizienz und negatives Arbeitsklima, lange Krankenstandszeiten und bei Austritt des Mitarbeiters die Kosten für die Suche eines neuen Mitarbeiters und dessen Einschulung.

Für die Unternehmen lohnt es sich auf alle Fälle, Maßnahmen zu setzen, die die Arbeitszufriedenheit heben:

  • Nachhaltig bewältigbare Arbeitsmenge
  • Angemessene persönliche Handlungsspielräume und Kontrolle
  • Wertschätzung und Anerkennung
  • Unterstützendes Teamklima
  • Fairness, Respekt und soziale Gerechtigkeit
  • Klare und widerspruchsfreie Werte

Kurz gesagt, Arbeit muss für die Menschen Sinn machen. Als Unternehmensberater und Coach bewegen wir uns täglich in diesem Spannungsfeld. Voraussetzung für nachhaltige Änderungen in einem für Burnout kritischen System ist das entsprechende Bewusstsein auf der Führungsebene. Mit Team- und Organisationsentwicklungsprozessen können wir Systeme analysieren und gemeinsame Lösungen zur Verbesserung der Situation erarbeiten. Abhängig von der Situation empfiehlt Primawera verschiedene Maßnahmen:

  • Leitbildentwicklung zu Veränderung der Unternehmenskultur,
  • Leitbildentwicklung für Führungskräfte und Führungscoaching,
  • Individuelles Coaching für Personen, die schon gefährdet sind.

Ein Erstgespräch dient der Klärung, welche Maßnahme für die jeweilige Situation die geeignete ist.

Literatur:
M.P. Leiter, Ch. Maslach (2001): „Die Wahrheit über Burnout“, Springer Verlag
M.P. Leiter, Ch. Maslach (2001): „Burnout erfolgreich vermeiden“, Springer Verlag