Verändern mit Verantwortung
Menschen wirken auf Unternehmen und Gesellschaft.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen wirken auf Unternehmen und Menschen.
Unternehmerische Realität wirkt auf Menschen.
Wechselseitige Bedingtheit nennen das die Systemiker.
Wir leben in einer Zeit des Wandels. Viele erkennen die Notwendigkeit für einen Kurswechsel: sowohl auf persönlicher, unternehmerischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Wandel: ja; die Frage ist aber: wie? In welche Richtung soll es gehen und auf welcher Basis?
Werthaltungen und Verantwortung als Basis einer sinnvollen Veränderung
Systeme beeinflussen sich gegenseitig.
Menschen wirken auf Unternehmen und Gesellschaft.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen wirken auf Unternehmen und Menschen.
Unternehmerische Realität wirkt auf Menschen.
Wechselseitige Bedingtheit nennen das die Systemiker.
Richtung und Sinn der Veränderung entsteht durch gelebte Werthaltungen und Prinzipien auf allen Ebenen. Persönlich, unternehmerisch und gesellschaftlich orientieren wir uns und unser Tun danach. Persönliche Werthaltungen, Leitbilder auf unternehmerischer Ebene und (z.B.) Menschenrechte auf gesellschaftlicher Ebene sind Bojen für unseren Kurswechsel.
Hier wird es schon spannend in der Umsetzung: Als „Wirtschaftstreibende(r)“, Unternehmer(in), Investor(in), Angestellte(r), Arbeiter(in) im Wirtschafts-, Sozial-, Gesundheits- und im öffentlichen Bereich, gebe ich meine Werthaltung nicht an der Eingangstüre oder Garderobe meines Unternehmens ab. Als Produzent(in) und Konsument(in) übernehme ich Verantwortung für die Produktionsbedingungen der Waren. Ich spreche von menschlicher und naturnaher Produktion und ethischem Konsum, statt Kinderarbeit und Umweltzerstörung.
Hier gilt es sich zu positionieren (vgl. LOHAS, lifestyle of health and sustainability).
Ich schlage als Orientierungsrahmen das „Prinzip nachhaltiger Lebensqualität“ vor.
Unter nachhaltig verstehen wir Systeme dann, wenn sie so gestaltet sind, dass sie unsere natürlichen Lebensgrundlagen selbst dann nicht zerstören, wenn diese von allen Menschen genutzt werden.
Deshalb gilt es bei allem was wir zur Steigerung unserer Lebensqualität tun, zu überlegen, ob dies auch möglich wäre, wenn immer mehr Menschen so leben würden wie wir.
Lebensqualität bedeutet in diesem Zusammenhang:
Verbindung mit dem LQ (=Lebensqualität) – Ansatz, nämlich der Balance der fünf Bereiche:
materielle Sicherheit und Grundbedürfnisse, Gesundheit (physisches und psychisches Wohlbefinden), gute soziale Beziehungen, persönliche Entwicklung und Arbeit/Leistung und Wahl- und Handlungsfreiheit/gesellschaftliches Engagement. Wenn alle diese Komponenten bei einem Menschen wenigstens ansatzweise erfüllt sind, kann man von seinem Wohlergehen, von „Lebensqualität“, sprechen.
(www.primawera.com; www.lqforyou.at)
„Menschen, in Beziehungen, Gemeinschaften und Betrieben, die ihr Leben und Handeln maßvoll und mit Blick auf Lebensqualität gestalten, können trotz aller inneren und äußeren Belastungen Zufriedenheit und Zuversicht erleben – und strahlen diese auch aus. Sie hoffen oder raffen nicht für die Zukunft, sondern gestalten gemeinsam die Gegenwart so, dass für die Zukunft Hoffnung besteht.“ (Gerald Koller: Kurswechsel. Routenplaner zur Lebensqualität, 2009 Steyr.)
Die Spur geht von der Egozentrik zu menschlichen Netzwerken und von der Orientierung am quantitativen Wachstum bis hin zur nachhaltigen Lebensqualität.
Derzeit scheint es so, dass viele sich von der Illusion blenden lassen: „Es wird alles so, wie es einmal war – vor der Krise.“ Dieses Konzept der Scheinsicherheit geht allerdings von einer eindimensionalen Weltsicht aus: Das Ursache-Wirkungsprinzip (vgl. wechselseitige Bedingtheit) ist für die Komplexität menschlicher Systeme halt doch ein bisschen zu einfach strukturiert.
Gesellschaftlicher Wachstum und menschlicher Wohlstand
Herbert Paierl (Präsident des Management Clubs, ehem. steir. Wirtschaftslandesrat) hat kürzlich (7.1.2010) in der Kleinen Zeitung unter dem Titel: „Fünf Thesen zu Wachstum und Wohlstand“ Denkanstösse gegeben:
Einige Anregungen im Themenfeld Veränderungsmanagement sind durchaus beachtenswert: z.B. Innovation braucht Strategie, Leadership, Unternehmertum und vor allem Innovation braucht ein Bildungssystem, das Innovationskraft fordert und fördert.
Paierl beschreibt Innovationen als Basis für Wachstum und Wohlstand. Doch welche Form der Innovation ist gemeint? Welche Basis und Werthaltungen stecken dahinter?
„Innovationskraft ist die beste Strategie, um Zukunft beherrschbar und sicher zu machen“, schreibt Paierl in seinem Artikel und weiters: „Und wir sollten uns in diesem Zusammenhang ernsthaft fragen, ob die jüngste Finanzmarktkrise nicht vielleicht durch ein maßloses Sicherheitsdenken angetrieben wurde…“
(Feedback und Reflexion): Der erste Teil („Zukunft beherrschbar und sicher zu machen…“) klingt für mich sehr nach „Ursache-Wirkungsprinzip“ und Sicherheitsillusion.
Der zweite Teil ist besonders interessant: maßloses (und illusionäres) Sicherheitsdenken ist bezogen auf Kunden bzw. Käufer, besser gesagt: auf das Marketing- und Verkaufs-Spiel mit Kunden. Mir scheint Gier (und damit Angst) als innere Antreiber der Anbieter eher nachvollziehbar und vordergründig. Alles eine Frage der Perspektive und der Werthaltung.
Verantwortung und exotische Werte
„Zutrauen veredelt den Menschen.“
Der Sinn alles Wirtschaftens? „Der Mensch.“
Die Aufgabe eines Unternehmens? „Eine Plattform zu bieten, wo Mitarbeiter ihre Biografie gestalten und an einem Strang ziehen.“
Die Aufgabe eines Vorgesetzten? „Seinen Mitarbeitern ein Umfeld für ein erfülltes Berufsleben bieten.“
„Streichen Sie Kundenbindung aus Ihren Gedanken. Schaffen wir Verhältnisse, dass sich der Kunde gerne mit uns verbindet.“
„Der Umsatz ist wichtig, nicht unbedingt um zu wachsen. Aber er ist der Applaus des Kunden und die Bestätigung, das Richtige getan zu haben.“
(Rätsel): Von wem stammen wohl diese Zitate? Wird wohl ein Philosoph oder Sozialromantiker sein, der keine Ahnung von Wirtschaft hat, oder?
(Auflösung): Es ist DM-Gründer Götz Werner (derStandart.at, 30.1.2010; www.unternimm-die-zukunft.de).
Dem ist nichts hinzuzufügen.