Wirtschaft und Ethik
doppel:punkt NEU 1/2009

Wirtschaft und Ethik

Der springende Doppelpunkt

von Mag. Gerhard Maier
Der Punkt ist: ethische und wirtschaftliche Überlegungen gehören zusammen – wir sollten sie nicht gewaltsam trennen. Der doppelte Punkt ist: Dadurch ergeben sich Handlungsfelder für Führungskräfte und Manager in Unternehmen, für Entscheidungsträger im öffentlichen Bereich, für KonsumentInnen und BürgerInnen. Das ist der springende Doppelpunkt für die Kooperation von Primawera und LQ for You.

Das Magazin doppel:punkt ist das Forum des Dialogs zu den Themen: Wirtschaftsethik, nachhaltige Lebensqualität und Veränderungsmanagement. Diese Schwerpunkte sind Grundlage für unser Handeln in der Unternehmensberatung und in der Entwicklung (siehe: doppel:punkt Nr. 7, 2006) und sind auch Basis für das Zusammenwirken der beiden Firmen Primawera (www.primawera.com) und LQ for You (lqforyou.at). So fügen sich so unterschiedliche Bereiche, wie Unternehmensberatung, Training und Coaching auf der einen Seite und Netzwerkbildung und Unterstützung von Menschen, Organisationen und Initiativen, die Lebensqualität vermehren auf der anderen Seite, zusammen. Eine Ergebnis der Kooperation ist der doppel:punkt – Webmagazin für Arbeits- und Lebensqualität.

Global denken

Klimawandel, Unterdrückung und ungerechte Verteilung sind in den letzten Jahren noch offensichtlicher geworden. Deshalb sind verantwortliches und zukunftsorientiertes Denken und Handeln, Ideen und Projekte für die Gestaltung einer besseren Zukunft notwendig.

Viele Lösungen sind so nah. Wir werden in einer der nächsten Ausgaben über die Projekte: „LQ-Zukunftsmacher“, „LQ-Einkaufsgemeinschaft“ und „Haus der Lebensqualität“ berichten. „Um diese Zukunft zu bauen, brauchen wir eine Generation von Alltagshelden. Menschen, die den Mut haben, in neuen Bahnen zu denken und die globale Krise mit aller Macht zu bekämpfen.“ (Alex Steffen: WorldChanging.2008). Al Gore beschreibt damit den Anspruch vieler Initiativen weltweit und wir sind ein Teil dieses Netzwerkes.

Es geht um ein Modell, das Wohlstand und Lebensqualität auf nachhaltiger Basis ermöglicht und gleichzeitig die Ökosysteme saniert. Es geht darum Lebensweisen zu entwerfen, die den Planeten kaum belasten, niemanden ausbeuten und uns dennoch glücklicher und zufriedener machen.

Lokal und persönlich handeln

Es geht um Menschen, die ihren Beitrag zur Umsetzung guter Ideen leisten, neue Lösungen bei der eigenen Arbeit finden und das, was sie lernen, auch leben und anderen mitteilen. Es geht um Menschen, die ihr persönliches Leben so gestalten, dass Fairness, Intelligenz, ökologische Verträglichkeit und alles Lebensbejahende gefördert wird und die noch dazu Freude dabei empfinden Innovation und nachhaltige Lebensqualität zu verbinden. Die Umsetzung in diesem Sinne trägt dazu bei, die Wirtschaft schrittweise nachhaltiger, fairer und ökologischer auszurichten. Jeder Schritt in diese Richtung – mag er auch noch so klein sein – hat Auswirkungen und manchmal auch die Kraft sich als Idee zu multiplizieren.

ÖkoFussGM

Der „ökologische Fußabdruck“ (siehe: www.fussabdruck.at) steht für die Auswirkungen unserer ganz persönlichen Lebensweise – z.B. Essen, Energieverbrauch, Transportmittel. Das bedeutet Verantwortung und darüber hinaus, die Möglichkeit als KonsumentInnen durch unser Kaufverhalten auf nachhaltige Produkte und bessere Arbeitsbedingungen zu drängen.

Veränderung in Unternehmen

Ob wir darüber glücklich sind oder nicht: Die Form, wie wir Wirtschaft organisieren und leben, ist ein zentraler Ansatzpunkt mit Hebelwirkung für gesellschaftliche Veränderungen. Sie erfasst nahezu alle Lebensbereiche.

Die Unternehmen, für die wir arbeiten; die Dinge, die wir herstellen; die Produkte, die wir einkaufen: alles Beiträge zu mehr oder weniger Verschmutzung unseres Planeten, (Un-) Gerechtigkeit und Stärkung oder Schwächung unseres sozialen Gefüges.

Eine schrittweise Veränderung der Wirtschaft in diesem Sinne dient sowohl dem Gemeinwohl und ermöglicht auch Gewinnschancen für nachhaltige UnternehmerInnen.

Wir können Unternehmen gründen oder unterstützen, die Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairness nicht als Nebeneffekt oder Marketingstrategie einsetzen, sondern als Kernprozesse verstehen und damit Mehrfach-win Effekte (MitarbeiterInnen, KundInnen, Gesellschaft) erzielen.

Eine nachhaltige Unternehmensentwicklung begründet sich in einem klaren Leitbild, einer Vision und Handlungsgrundsätzen. Der faire Umgang und Dialog mit allen Anspruchsgruppen (stakeholder: MitarbeiterInnen, Aktionäre, GeschäftspartnerInnen, KundInnen, Öffentlichkeit) ist der Maßstab für die Wahrung seiner gesellschaftlichen Verantwortung und für die Nachhaltigkeit seiner Kultur und Werte.

So schließt sich der Kreis: Führungskräfte in Organisationen, KonsumentInnen und BügerInnen tragen eine gemeinsame Verantwortung: Nicht über unsere ökologischen Verhältnisse zu leben und die „Kontoüberziehung“ mit Ressourcen zu bezahlen, die unsere Kinder brauchen werden, und einen Beitrag für nachhaltige Lebensqualität im Hier und Jetzt zu leisten.

Es ist alles gesagt. Jetzt braucht es Beispiele. (Buchtitel von Jwala und Karl Gamper, 2007)